Top

Alpwanderkurs hat Tradition

June 26, 2009

Wir zitieren die Allgäu-Rundschau:

Was ist das, wenn bis zu 300 Menschen vom Bub in Lederhose bis zur Seniorin stundenlang einmütig den Berg hinauf marschieren, an Alpen anhalten und anstatt Brotzeit zu machen, über Wege, Rinder und Unkrautbekämpfung reden? Das ist der Alpwanderkurs des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu (AVA) - eine Veranstaltung, die es seit über 150 Jahren gibt.

Zweimal im Jahr sind Hirten, Alpmeister und Landwirte der fast 700 Allgäuer Alpen zum Wanderkurs der besonderen Art eingeladen. Am Mittwoch war es wieder soweit: Diesmal stand das Ostrachtal bei Hinterstein in der Gemeinde Hindelang (Oberallgäu) auf dem Programm. Trotz Dauerregens und Temperaturen nur knapp über dem dem Gefrierpunkt in der Höhe gingen fast 120 Wanderer mit - bei schönerem Wetter waren auch schon rund 300 Menschen dabei.

Andere Wanderer, die diesem Tross begegnen, sind meist überrascht, wie die riesige Gruppe so diszipliniert auf teilweise hochalpinen Steigen unterwegs ist. Auf Alpen wird angehalten und Mikrofon, Lautsprecher sowie Verstärker werden ausgepackt. Dann haben die Spezialisten das Wort: Die Hirten und Alpmeister stellen ihr Gebiet vor, berichten von Besonderheiten und Problemen.

Vertreter der Ämter, des Forstes, der Eigentümer und der Ministerien nehmen dazu Stellung, erläutern Lösungen und Kompromisse oder berichten von Neuigkeiten.

«Es ist die Fortbildungsveranstaltung für Älpler», bringt es AVA-Geschäftsführer Peter Danks auf den Punkt. Kein Wunder also, dass er die Gelegenheit beim Schopfe packt, auf sachgerechte Bewirtschaftung hinweist oder Pflanzen erklärt. Dabei steht er in einer langen Tradition: «Die Alpwanderkurse gab es schon um 1850. Damals wurden sie von der Herdebuchgesellschaft und dem Milchwirtschaftlichen Verein organisiert», erzählt er. «In fünf Tagen sind die Älpler damals vom Allgäu bis in die Schweiz gelaufen», berichtet Danks. Seit 1925 der Alpwirtschaftliche Verein im Allgäu gegründet wurde, kümmert sich dieser neben weiteren Kursen um die «Bildungsreise».

«Die Alpwanderkurse hier sind sehr fachlich gehalten. Bei uns geht es viel politischer zu», sagt Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Aber auch im Allgäu nutzen die Älpler die Gelegenheit, den anwesenden Vertretern der Ämter und Politik ihre Anliegen mit auf den Weg zu geben. Ganz oben auf der Liste stehen die finanziellen Förderungen. Ohne diese sei der Erhalt der alpinen Kulturlandschaft nicht möglich. Auch der Wunsch nach guter Erschließung der Alpen mit Fahrwegen ist ein Dauerthema. Wie Anton Lecheler vom Amt für Ländliche Entwicklung erläutert, werden Wege zu Alpen mit bis zu 70 Prozent gefördert. Dabei geht es hauptsächlich um Sanierungen und Ausbau. «Neuanlagen von Alpwegen auf neuer Trasse werden nur selten beantragt», sagt er.

Derzeit lägen entsprechende Anträge für Wege am Samstenberg (Balderschwang) und Hasenegg (Hindelang) vor.

Comments

Sie möchten diesen Beitrag kommentieren?





Bottom